Sonntag, 11. Dezember 2016

Thementalk | Druck durch soziale Medien und das ewige Vergleichen

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich gerne ein Thema ansprechen, das mich wirklich schon eine lange Zeit beschäftigt und im wahrsten Sinne des Wortes bedrückt. Es geht um soziale Medien und den Druck, den sie ausüben. Wobei es ja im Grunde nicht die sozialen Medien sind, sondern das Spektrum an Informationen über alle möglichen Menschen, die man bekommt. Ich denke jeder Blogger und YouTuber kennt dieses ewigen Vergleichen. Der und der hat mehr Views als ich, der und der hat viel mehr Follower und Abonnenten als ich. Was mache ich falsch? Wie kann ich mithalten? Ich muss wieder mit dem neuesten Shit am Start sein, damit sich überhaupt jemand für mich interessiert. Natürlich sagt man immer, man solle sich nicht vergleichen aber ganz ehrlich: das ist verdammt, verdammt schwer wenn man es jeden Tag auf Facebook, Instagram und Co. um die Ohren gepfeffert kriegt. Aber genauso geht es mir auch im privaten Bereich. Ständig werden mir auf Facebook die tollen Erlebnisse meiner ehemaligen Kommilitonen, Freunde und Bekannten angezeigt. XY reist um die Welt, ZA hat gerade einen wahnsinns Job ergattert und man selbst sitzt zuhause auf dem Sofa und denkt sich "Na toll, und ich? Was wird aus mir? Ich habe noch überhaupt nichts erreicht im Leben und gehe auf die 30 zu. Was mache ich bloß falsch?"



Ganz schlimm war das bei mir zum Beispiel vor drei Jahren, als ich im Rahmen meines Studiums händeringend nach einem Praktikum für mein Praxissemester suchte und einfach nichts bekam. Ständig habe ich unterschwellig über Facebook mitbekommen was all meine Kommilitonen für großartige Praktika an Land gezogen hatten, einige waren schon fast wieder fertig und ich stand immer noch da und ging leer aus, fuhr durch halb Deutschland für Bewerbungsgespräche und kassierte eine Absage nach der Nächsten. Das hat mich so wahnsinnig unter Druck gesetzt, dass es mir psychisch richtig schlecht ging. Meine Haut hat verrückt gespielt, mein ganzes Gesicht war voller Pusteln und Entzündungen, weil ich immer das Gefühl hatte, nichts Wert zu sein, nichts zu schaffen und nichts zu erreichen.

Mittlerweile ist es so, dass ich versuche, mich von diesem Druck zu lösen und abzuschirmen. Ich habe ehrlicherweise viele Kommilitonen und Bekannte, zu denen ich sowieso kaum Kontakt hatte, auf Facebook gelöscht oder ihre Neuigkeiten stumm geschalten, weil ich gar nicht wissen will, dass sie gerade wieder ihren nächsten Coup landen oder auf Dubai eine Geschäftsreise machen. Auch was YouTube angeht habe ich wirklich viele Kanäle deabonniert mit denen ich mich ständig verglichen habe. "Oh man, der wächst viel schneller als ich, oh die hat schon wieder 2000 Abonnenten mehr, wohingegen bei mir einfach überhaupt nichts passiert." Diese Gedanken strengen mich so an, dass ich phasenweise komplett die Lust am Videosdrehen und Bloggen verliere, weil ich mir denke "Ich bring's doch eh nicht, alle anderen sind sowieso besser als ich."


Deswegen lebe ich mittlerweile was das angeht wirklich nach dem Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn". Ich will einfach nicht wissen, was XYZ erreicht haben. Ich will einfach mein Ding machen und damit glücklich sein. Wer sagt denn, dass man etwas erreichen muss, um etwas Wert zu sein? Wieso wird einem von dieser Gesellschaft immer eingebläut, dass es ohne Fleiß keinen Preis gebe? Vielleicht will ich ja gar keinen. Vielleicht will ich keine 40h Woche, ohne Zeit für mich und meine Bedürfnisse. Vielleicht will ich ja auch gar keine super duper schnieke Wohnung im hipsten Stadtteil. Und vielleicht bin ich auch gar nicht dafür geeignet, ein Jahr durch Australien zu tingeln, ohne meine Freunde, meine Familie und meine Vierbeiner bei mir zu haben. Ich bin genau so viel Wert wie jeder Mensch, egal was ich schaffe und erreiche. Die Hauptsache ist doch innere Zufriedenheit und persönliches Glück. Und das habe ich definitiv gefunden. Warum also lässt man sich dann eigentlich von Außen so schnell einreden, dass das nicht reicht? Dass es immer ein bisschen mehr sein muss?

In den prähistorischen Zeiten vor dem Internet oder zumindest vor'm Social Media hat man einfach gar nicht so viel mitbekommen. Da wusste man nicht was XYZ gerade machen, da hat man sich nur mit seinem unmittelbaren allgegenwärtigen Umfeld verglichen - heute macht man es mit der ganzen Welt. Ich glaube es ist wirklich nicht leicht, in der heutigen Zeit aufzuwachsen und groß zu werden, Teenies sind doch einem permanenten Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ausgesetzt, der mir als Erwachsener schon extrem zu schaffen macht. Manchmal wünsche ich mir wirklich die Zeit zurück, in der man nur seine eigene Suppe gelöffelt hat und gar nicht in Verssuchung geriert, über den Tellerrand zu gucken.

Mich würde eure Meinung zu diesem Thema wirklich sehr interessieren. Wie geht ihr mit diesem Druck um oder empfindet ihr das gar nicht so?

Liebe Grüße

Erdbeerliese

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner & ehrlicher Blogbeitrag von Dir, der nicht nur mir auch aus der Seele spricht. Man muss einfach versuchen sich mit anderen zu vergleichen auch wenn es schwer fällt. Aus den Augen & aus dem Sinn ist da wohl die beste Möglichkeit, wenn man es denn auch konsequent durchzieht und nicht heimlich "mal kurz" guckt und sich dann wieder runterziehen lässt.
    Ich hatte dieses "Die haben viel bessere Jobs als ich" auch schon, bis mir jetzt im "hohen Alter" bewusst geworden ist, dass mein Weg den ich gegangen bin, genau der richtige war. Ohne einige der scheinbaren Rückschläge würde ich jetzt nicht da stehen wo ich bin.
    Im Amerikanischen nennt man dieses Syndrom auch "Keeping up with the Joneses".

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    1. Es ist halt schwierig, aber das liegt sicher auch an einem selbst. Ich denke, super selbstbewusste Personen würden gar nicht an sich zweifeln, aber wenn man selbst ständig unsicher und hin- und hergerissen ist, ist es noch schwerer, sich nicht beeinflussen zu lassen.

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Ich freue mich über eure Meinungen, Erfahrungen und konstruktive Kritik☺