Sonntag, 20. Januar 2013

Rezension | 80 Days - Die Farben der Lust - Vina Jackson

Hallo ihr Lieben,

nach meinem Buchhaul habe ich nun das erste Buch schon ausgelesen und möchte euch eine kleine Rezi darüber schreiben.

Und zwar geht es um 80 Days - Die Farben der Lust. Dabei handelt es sich um einen Erotikroman, erschinen im carls book's Verlag. Die Geschichte wird erzählt auf 366 Seiten und das Buch bekommt ihr für 12,99€.


Bei der Autorin bzw. dem Autor Vina Jackson handelt es sich um ein Pseudonym, das Rätsel aufgibt. Dahinter verbergen sich wohl zwei bekannte Gesichter, ein Autor, der bereits einige Romane schrieb und eine Frau, die eine Größe in der Londoner SM Szene darstellt. 

Zur Geschichte:
Summer Zahova ist eine junge Frau die in Whitechapel, England lebt. Sie ist in einer Beziehung mit einem Typen, Darren, der einen totalen Sauberkeitsfimmel hat und ein echter Moralapostel ist. Dementsprechend eingeengt fühlt sie sich in dieser Beziehung, denn Summer ist ein absoluter Gefühlmensch, leidenschaftlich und energiegeladen, auch sexuell. Sie ist Violinistin und liebt die klassische Musik. Musik macht sie empfänglich für Emotionalität - wenn sie ihre Geige spielt, verfällt sie in Trance und geht darin auf. Mit Vorliebe spielt sie in der Londoner U-Bahn vor vorbeilaufenden Passanten, bis eines Tages eine Meute rüpelnder Fußballfans ihre Geige zerstört. Das ist für Summer der absolute Horror, ohne ihre Geige ist sie nichts und sie flieht zu einer Bekannten, Charlotte, die bereits einen Fuß in der SM- und Fetischszene hat. Summer bekommt eine Woche nach dem Geigenunfall eine Nachricht über Facebook von einem gewissen D., der ihr mitteilt, von dem Unglück mit ihrer Geige gehört zu haben und ein Angebot vorschlägt, dazu müsse sie sich mit ihm treffen. Dominik ist ein Literaturprofessor, Anfang oder Mitte vierzig, das wird im Buch nicht erwähnt. Er hatte Summer bereits in der U-Bahn spielen gehört und war fasziniert von ihrem Erscheinungsbild, dem lodernd rotem Haar und ihrer Musik. Er hatte eine beträchtliche Summe Geld geerbt und war dahingehend gut betucht. Er machte Summer ausfindig und auf Charlotte's Ermutigung hin trafen sich die beiden in einem Café, in dem Dominik Summer sein Angebot unerbreitete. Er besorge ihr eine neue Geige, wenn sie für ihn spielte, allein.

Das ist der Anfang der Geschichte, die sich auf die Begegnung zwischen Summer und Dominik aufbaut. Natürlich ist Dominik nicht nur darauf aus, ein klassisches Stück zu genießen, viel mehr hat er ein sexuelles Interesse an Summer. Er ist eigentich kein aggressiver Mann, hat aber irgendwann festgestellt, dass es ihm gefällt, beim Sex zu dominieren, Macht auszuüben, zu besitzen. Die ganze Handlung im Buch entwickelt sich sehr in eine dunkle, düstere Richtung der Sexualität.

Zu meiner Meinung:
Zunächst wird im Buch damit geworben "Wer Shades of Grey mochte, wird 80 Days lieben! Sinnlich, abgründig, romantisch, süchtig machend."
Leider muss ich dem komplett widersprechen. Wer Shades of Grey mochte, wird mit diesem Buch wirklich nichts abgewinnen können, weil es komplett anders ist. Wer auf Romantik steht, auf Liebesbeziehungen und Zärtlichkeit, der ist mit diesem Buch absolut fehlbedient. Hier geht es wirklich hart zur Sache und die ganze Geschichte taucht tief, tief in die BDSM-Szene ein. Auch die Sprache ist viel härter, wer also auf diskrete Umschreibungen Wert legt, wird bei diesem Buch die Lippen schürzen. Soviel erstmal zum Shades of Grey-Vergleich.
Ich muss sagen, dass mich dieses Buch nicht gefesselt hat, es war weder sinnlich, noch romantisch, noch süchtig-machend. Die Beziehung der beiden Hauptcharaktere ist so ernüchternd, so mechanisch, es gibt keinen Spannungsbogen und keine "Mir-stockt-der-Atem"-Momente. Was mich absolut stört, ist das ständige switchen zwischen den Perspektiven. Zunächst wird man als Leser direkt in das Buch hineingezogen, da man in Summers Ich-perspektive gerät. Danach folgt ein übergeordneter Erzählstil, ein allwissender Erzähler, der die Sicht von Dominik schildert und seine Gedanken reflektiert. Darauf folgt wieder Summer's Ich-Perspektive und so wird immer wieder hin- und hergewechselt. Dabei werden Szenen doppelt erzählt, einmal aus Summers- und einmal aus Dominiks Perspektive, wobei es bei Dominik immer beim allwissenden Erzähler bleibt und er nie direkt in Ich-perspektive spricht. 
Mich stört das sehr, da man die Szenen immer doppelt erlebt, obwohl man wissen will, wie die Geschichte weiterverläuft. Desweiteren ist es so, dass sich zwischen den einzelnen Treffen der Hauptakteure nicht heraus kristallisiert, dass sie sich gegenseitig anziehen, zumindest von seiten Summers. Als Leser weiß man natürlich, dass Dominik auf sie steht, aber andersherum erfährt man nicht, das Summer diesen Mann so toll findet und sich da irgendeine Beziehung entwickelt. Die Treffen werden mechanisch nacheinander Abgehalten, um von kurzen Nebengeschichten unterbochen zu werden, aber als Leser baut man null Emotionalität und Bindung mit den Charakteren auf, zu Summer noch eher als zu Dominik, durch die Ich-Perspektive. Dominik erweckt eigentlich nichts, als Leser lässt er mich absolut kalt, weder finde ich ihn attraktiv, noch anziehend, noch besonders sympathisch oder unsympathisch, nichts. Ich kann überhaupt nicht mitfühlen. Das ganze Buch dümpelt vor sich hin. Es fehlt meiner Meinung nach an lebhaften Beschreibungen, an Gefühlen in den verschiedenen Situationen. Die Sexualakte werden meist kurz in 3 Sätzen beschrieben. Ich zitiere: "Und dann f****** sie." Laaaangweilig. 
Gemeinsam rutschen Summer und Dominik tiefer in die BDSM-Szene hinein, die zum Ende hin wirklich an Intensität zunimmt, schockierend und teilweise wirklich abstoßend wird. Es geht um komplette Unterwerfung, um Sklaventum, um Brechung. Die letzten 50 Seiten waren dahingehend noch relativ spannend und haben eine gewisse Emotionalität hervorgerufen, da man sich als Leser immer wieder fragte "Warum tut Summer das?!", weil man sie am liebsten wachrütteln und aus dem Sumpf ziehen wollte. Die Frage am Ende war: schafft es Dominik, sie zu retten?
Leider wurde dahingehend auch die Spannung wieder genommen, sodass ich nicht wirklich angehalten bin, den 2. Band zu lesen, es gibt keinen Cliffhänger, keinen Anreiz zum Weiterlesen.

Ich finde es sehr sehr schade, man hätte aus der Geschichte viel mehr herausholen können. Die BDSM-Szene wird sehr realistisch dargestellt und man merkt, dass da jemand am Werk war, der Ahnung hat (und nicht nur seine haufraulichen Fantasien ausleben möchte wie bei SoG) und in diesen Kreisen verkehrt. Aber mir persönlich fehlt einfach komplett die Spannung, die Entwicklung zwischen beiden Charakteren und die emotionale Bindung zu ihnen. Das Buch ist auf jeden Fall FSK 18 und nichts für zart besaitete und sehr moralische Menschen. Wer mit SM, Unterwerfung, Dominanz, Macht und Gewalt überhaupt nichts anfangen kann, der sollte dieses Buch nicht lesen.


Alles in allem bekommt es von mir 2 1/2 von 5 möglichen Erdbeeren



Habt ihr das Buch gelesen? Dann würde mich eure Meinung interessieren.

Liebe Grüße

Erdbeerliese

Kommentare:

  1. Diese Bücher sind im allg. nicht mein Fall. Dennoch hab ich Shades of Gray gelesen um meine Leser zu beglücken. Es war ziemlich schwer für mich...
    Keine Ritter, keine Schwerter.... Okay Fesseln war dabei, aber nee.

    Ich bleibe dann doch lieber bei Auf-die-Fresse und Urban-Fantasy mit Metzle fein!^^

    LG Mady

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  2. Das mit den vergebenen Erdbeeren ist eine tolle Idee, super, dass du sie aufgenommen hast...

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Ich freue mich über eure Meinungen, Erfahrungen und konstruktive Kritik☺